seit 1985 gemeinnützige und internationale Tierschutzorganisation

 

Freikauf auf dem Pferde-Sklavenmarkt in Skaryszew

4.30 Uhr morgens auf dem Pferdemarkt in Skaryszew ...

Der Pferdemarkt hat eine über Jahrhunderte reichende Tradition, er bietet Interessenten aller Bereiche seine „Ware“ feil -  Hobbyreitern und Züchtern, teure Pferde, Pferde für Kutschenfahrten und „einfache“ Pferde für internationale Schlachthöfe oder auch für heutzutage landeseigene Pferdemetzgereien. Noch ist es tiefdunkel und wir versuchen in dem unübersichtlichen Gemenge angebundener Pferde und hastig eifernder Händler uns Übersicht über die Marktsituation zu verschaffen: Pferde zu finden, denen das Unheil drohender Schlachtung bevorsteht. Ein bitterer, unangenehmer Geschmack bemächtigt sich meiner zur Gattung „Mensch“ zu gehören. Niemals nachvollziehbar, niemals einsehbar, niemals hinnehmbar wird mir dies sein, was ich hier wiederum beispielhaft für unseren Umgang mit der Ware „Tier“ erlebe: Tiere, ihrer einzigartigen Individualität beraubt, zu Nummer utmischlinge oder aber heruntergekommene Stuten mit einfachen Strickhalftern sind die Kandidaten der Aufkäufer der internationalen Schlachttiertransporte. Mein Blick fällt auf eine weiße Stute mit gesenktem Kopf – sie soll die erste sein, die zu uns kommen wird - Blanche. Erste Verhandlungen setzen ein, wie wir sie schon aus Bodzentyn kennen … immer wieder überkommt einen das bedrohliche Gefühl, Verhandlungen könnten von den jeweiligen Besitzern abgebrochen werden … dass wir andere Kunden sind, spüren diese schnell. Ich weiß, 11 Pferden kann ich mit Ihrer Hilfe, liebe Pro Animale-Freunde, ein neues Leben bringen.

 

Jede Entscheidung wiegt schwer, weil sie die Rettung anderer sofort ausschließt. Immer mehr Pferde  werden herbeigeführt, heftiges, hitziges Treiben entsteht, jeder preist seine Ware an. Je weiter der Tag in die Vormittagsstunden anhebt, um so mehr Jahrmarkstimmung steigt auf. Gegröle, Geschrei, der Geruch von Alkohol mischt sich zwischen die Menschen – viele der Schlachtpferde sind erschöpft und durstig nach langen Transportwegen aus polnischen Grenzgebieten zur Ukraine. Rund 85 % der Pferde sind Hengste, die aufgewühlt angebunden an den Gestängen stehen. Die Angst ist berechtigt, dass Tiere sich verletzen könnten, eskaliert die Stimmung unter den Hengsten  in diesem heftigen Jahrmarktgetöse. Mein Blick fällt auf zwei Pferde, die nebeneinander angeboten, werden – wie einst in Bodzentyn bin ich bemüht, Tiere, die sich kennen, gemeinsam freikaufen zu können – Der „Freiheit“ meiner Entscheidung sind Grenzen gesetzt, da ich aus Gründen vorgeschriebener Transportvorschriften nicht mehr als 3 Hengstfohlen auslösen darf. Im Gemenge sieht mich ein zartes Stutfohlen mit glasigen Augen an, ich versuche gemeinsam mit Lukas den Besitzer zu eruieren. Nach langer Auseinandersetzung scheint der Kauf nicht möglich, da derjenige, der sich als Besitzer ausgab, es nicht ist, - „Berenice“ scheint verloren… getrieben von der Angst, Stuten zu finden bevor die Händler diese aufkaufen, stößt mich die Menschenmenge weiter. Etwas abseits gelegen stehen da zwei Kaltblutmischlinge an einem schäbigen Pritschenwagen. Der Besitzer preist sie wohlfeil an, obgleich sie doch „edler“ Abstammung seien.

 

Bruder und Schwester, sollen bei uns einkehren. Basilius hat Verletzungen am Kopf  und Bläschen an den Nüstern, die Ausdruck eines geschwächten Immunsystems und  dreckiger Stall-Verhältnisse ist. Ein Mann wird mir von der Menge gaffenden, sich am Marktgeschehen ergötzenden Publikums gleichsam zugeschoben – er trägt einen Papierdeckel auf der Brust, auf dem geschrieben steht: „Pferd zu verkaufen“. Wir fragen ihn, wo denn sein Pferd sei…er erwidert, er  habe keine Transportmöglichkeit, es stünde bei ihm zu Hause, etwa 200 km entfernt. Die Höhe des Preises verrät den „geringen Wert des Tieres“ – ich sage sofort zu, ohne das Pferd zu kennen – der Besitzer warnt uns, wir sollten nicht erschrecken, er habe schon lange nicht mehr misten können … 10 Pferdeleben haben wir bereits ausgelöst – für ein Leben darf ich noch entscheiden. Unruhig suchen meine Blicke nach dem verantwortlichen Tierarzt, ob er mir nicht ein Tier nennen könne, welches besonders bedürftig sei. Er führt mich unter Hunderten von Pferden zu „Berenice“ – ich bin unsäglich dankbar. Mit seiner Hilfe gelingt es uns, dieses bezaubernde Wesen in unsere Obhut zu übernehmen. Ich danke unserem couragierten Lukasz Szyszkowsky, der mir so engagiert zur Seite stand, ich danke Bogdan Andrzejak, der mit seinem äußerst professionellen Pferdeverstand das Verladen und den Transport der Pferde organisierte und ich danke Dr. Kuba Wojciech, der mit seinem kleinen Töchterchen Natalia uns weise und tatkräftig unterstützte. Ich danke allen Pro Animale-Freunden, die mit ihrer Unterstützung mich dazu befähigten, Zeichen der Empathie in der Rettung von Leben zu setzen.

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