seit 1985 gemeinnützige und internationale Tierschutzorganisation

 

Drei Pferdeschicksale in nur einer Woche

Drei Pferdeschicksale in nur einer Woche ...

Wie an den meisten Tagen klingelte auch am 13.02.2015 das Telefon schon sehr früh. Der Landrat von Burhaniye hatte auf der Fahrt zum Dienst zwei ausgesetzte Pferde am Straßenrand gesehen, wobei eines der beiden am Boden lag.

Es hatte sehr viel geregnet und es war sehr kalt.  Als wir benachrichtigt wurden, fuhren wir gleich los. Zuerst dachten wir schon, dass eines tot sei, weil es kaum atmete. Doch es lebte noch.

Die Körpertemperatur war nicht mehr messbar - so unterkühlt war die Stute bereits, da sie seit Tagen im Regen gelegen hatte.

Sofort haben wir das Pferdchen mit Infusionen versorgt, um den Kreislauf zu stabilisieren und es wieder aufrichten zu können.

 

In der Zwischenzeit hatten wir auch die Polizei benachrichtigt zur Absperrung der Straße, damit wir mit unserem Pferdeanhänger am Straßenrand anhalten konnten, um das arme Tier verladen zu können. Nach der Infusion vermochte die Stute bereits den Kopf zu heben und nahm etwas Heu zu sich. Mit Karotten und Melasse war sie so stark, dass wir versucht haben, sie auf die Beine zu stellen. Und wirklich, liebe Pro Animale-Freunde, als sei wieder Leben in diesen Körper eingehaucht worden, stand sie mit unserer Hilfe auf – freilich sehr schwach – doch wir konnten sie in den Pferdeanhänger verladen. Das zweite Pferd war jung und weniger schwach und so fuhren wir mit zwei Pferden und zwei Pflegern im Pferdeanhänger mit Erlaubnis der Polizei, die ein Auge für die Pferde zudrücken wollte - nach Yaşam Vadisi.

Unser Tierarzt stellte bei „Naciye“, die zudem schon sicherlich über 30 Jahre alt war, eine sehr schwere Lungenentzündung fest.

Naciye ( „die Gerettete, die ins Paradies kommt“) lebte traurigerweise trotz all unserer Hilfe leider nur noch zwei Wochen bei uns.

Einige Tage später am 18.02.2015 kam unser Nachtwächter aufgeregt zur Arbeit und sagte, dass er auf dem Weg zur Arbeit einige Bauern aus unserem Dorf versammelt gesehen hat – und aus lauter Neugier schauen wollte, was da los sei. Als er das sah, konnte er seinen Augen nicht trauen. Ein Pferd lag zu Boden mit Ketten an den Füßen und wurde mit dem Traktor in den Stall gezogen, weil es zu schwach war und nicht mehr stehen konnte.

Ein Leben, das nicht sterben durfte und dem auch nicht geholfen wurde, zu leben. Ein Leben, das all die Schmerzen und das Leid ertragen musste. Wir gingen sofort dorthin und konnten es kaum glauben. Das konnte doch kein Mensch sein, der das gemacht hat!

Dabei glaubte er noch, dass er es gut gemeint hätte, es in den Stall zu ziehen, damit es nachts nicht friert.

Wir setzten sofort ein Schreiben auf, dass Pro Animale das Pferd übernehmen würde, sonst müssten wir ihn wegen Tierquälerei anzeigen. Wir versorgten das Pferd mit der ganzen Notfalltherapie, halfen ihm, auf die Beine zu kommen und – gestützt von unseren Pflegern - gingen wir mit ihm in unser Tal des Lebens. Özlem  - so nennen wir die Stute (das heißt Sehnsucht) weil sie ihr Leben lang Sehnsucht nach Liebe, Sehnsucht nach Geborgenheit und Sehnsucht nach Futter hatte und das alles möchten wir ihr geben so lange sie lebt.

Özlem hat sich sehr schnell erholt, die Schürfwunden  verheilen  gut –  die Wunden an ihrer Seele werden länger brauchen.

Dank an Euch, liebe Johanna und Natascha,

Dank an alle Pro Animale-Freunde, die das ermöglichen und auch ein Dank an dieser Stelle an unser Pro Animale  Personal in der Türkei, das gelernt hat, mit den Tieren zu fühlen und mir immer, wenn ich es brauche, zur Seite steht - ohne auf die Uhr zu schauen.

 

Danke!